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Nachbarschaftszwist: Krieg oder Frieden?

Frau Kessler ist zu Fuss nur mühsam unterwegs, dafür im Auto umso rasanter - auf der Quartierstrasse, auf der Kinder spielen. Und diese lassen ihre Velos oft auf der Strasse liegen, ohne dass die Eltern eingreifen. Ein Kleinkrieg bahnt sich an. Die DAS schafft es, dass beide Parteien sich zusammensetzen und nun Friede herrscht.

Auf gute Nachbarschaft – weil jeder seine Leichen im Keller hat

Frau Kessler wohnt seit Jahr und Tag am Ende des Gerberwegs, einer Sackgasse. Die Rentnerin ist nicht mehr gut zu Fuss und auf einen Gehstock angewiesen. Doch sobald sie im Auto sitzt, zeigt sie der Welt gerne, welche verborgenen Kräfte in ihrem rechten Fuss schlummern, und drückt kräftig aufs Gaspedal. Deutlich zu kräftig sogar, sehr zum Missfallen der Familie Grüniger, an deren Haus die betagte Dame mehrfach täglich in viel zu rasantem Tempo vorbeifährt. Doch auch bei den Grünigers ist nicht alles so, wie es sein sollte. Die Eltern sind durch ihre Mehrfachbelastungen häufig überfordert. Und so kann der Grüniger-Nachwuchs oft tun und lassen, was er will. Die beiden «Bengel» gelten im Quartier als Nachbarschaftsschreck: wild, frech und ungezogen. Sie toben und spielen auf der Strasse, als sei es der eigene Garten, und lassen praktisch täglich Spielsachen und Velos darauf herumliegen.

Im Gegenzug sorgt Frau Kessler nicht nur durch ihre Fahrweise für grossen Unmut: Weil sie mit ihrem Hund nicht mehr Gassi gehen kann, lässt sie ihn einfach frei herumlaufen. Fido streunt stundenlang im Quartier herum, schnuppert hier, markiert da und erledigt seine kleinen und grossen Bedürfnisse gerade da, wo es ihm gefällt. Jemanden, der sein Geschäft dann aufnimmt, wie es sich gehört und wie es auch vorgeschrieben ist, gibt es natürlich nicht: Frau Kessler ist ja nicht dabei. Die Einzigen, die sich immer über den Besuch des freundlichen, meist schwanzwedelnden Fido freuen, sind die zwei anderen kleinen «Streuner»: die beiden Grüniger-Kinder.

Die gestressten Eltern Grüniger suchen zwei-, dreimal das Gespräch mit Frau Kessler, jedoch nur halbherzig und immer in Eile. So ist es auch wenig erstaunlich, dass diese Klärungsversuche scheitern und im Gegenteil in gegenseitige Beschuldigungen ausarten. Schliesslich platzt den Grünigers der Kragen, und sie kontaktieren die DAS. Zur Überraschung der Grünigers schlägt die DAS jedoch eine Mediation vor, statt den üblichen Beschwerdeweg zu gehen. Die Begründung des erfahrenen Rechtsschutzspezialisten für diesen Schritt: Als Nachbarn, die beide in ihren Eigenheimen leben, müssen sie dauerhaft miteinander auskommen. Eine gerichtliche Auseinandersetzung würde das nachbarschaftliche Verhältnis schwer belasten, man käme vom Regen in die Traufe.

Der Rechtsanwalt der DAS strebt bei der Mediation mehr als nur eine oberflächliche Lösung der aktuellen Konflikte an: Er sucht Synergien in den Kompetenzen beider Streitpartner, um damit eine halbwegs freundschaftliche Bindung zu schaffen.

Frau Kessler willigt in die Mediation ein, und so setzen sich alle Beteiligten mit dem DAS Anwalt an einen Tisch. Das Resultat kann sich sehen lassen und lässt hoffen: Die Kinder versprechen, auf der Strasse vorsichtiger zu sein und sie nicht mehr als Parkplatz zu missbrauchen. Ausserdem freuen sie sich riesig drauf, jeden Tag mindestens zweimal mit Frau Kesslers Fido spazieren zu gehen und mit ihm zu spielen. Zur grossen Überraschung aller bietet Frau Kessler den Buben zudem an, gegen ein Taschengeld ihren Rasen zu mähen. Und sie verspricht, ihren Bleifuss in Zukunft zu zügeln und rücksichtsvoll zu fahren.

Das Resultat ein halbes Jahr nach der Mediation ist mehr als erfreulich: Die Nachbarschaftsbeziehung ist so gut wie nie zuvor. Frau Kessler geniesst es, nicht mehr so isoliert und einsam zu leben: Sie verwöhnt die Grüniger-Kinder, die nun häufiger bei ihr zu Besuch sind, gerne mit einem feinen Zvieri oder spielt mit ihnen UNO. Und wenn sie ihnen Geschichten von Karl May vorliest, ist Fido besonders selig. Dann wird er von den gedankenverloren lauschenden Buben zwischen den Ohren gekrault. Und auch die Grünigers haben Grund zur Freude, sind doch ihre „wilden Buben" durch den Umgang mit der alten Dame und durch die übernommene Verantwortung für den Hund viel zugänglicher und friedlicher geworden.

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